Nikolaus Sühr ist CEO und Mitbegründer des InsurTechs KASKO, welches Versicherungsunternehmen und Start-ups eine innovative Plattform für die Digitalisierung und Skalierung ihrer Produkte bietet. Nick verfügt über mehr als 10 Jahre Berufserfahrung in der Versicherungsbranche, in den Gebieten Strategieberatung sowie Produktmanagement und im Vertriebsbereich.

Wir freuen uns sehr, dass Nikolaus unseren Ruf gefolgt ist und wir ihn 10 Fragen stellen durften.

1. Lieber Nikolaus, beginnen wir mit unserer Eintrittsfrage um Dich den Lesern vorzustellen. Nachdem aufstehen lieber Tee oder Kaffee?

Zuerst Kaffee, dann Tee – beides mit Koffein 🙂

2. Warum machst Du den Job, den Du heute machst?

Die kurze Antwort hierzu ist: Weil es mir Spaß macht. Die etwas längere Antwort jedoch: Ursprünglich wollte ich den Familienbetrieb, einen Spezialvermittler für Oldtimerversicherungen übernehmen. Als ich dann aber dort angekommen war, hat es einfach nicht gepasst. Der Laden lief auch sehr gut ohne mich und meine Aspirationen in Richtung neue Geschäftsmodelle konnte ich dort auch nicht sinnvoll einbringen (damals zumindest). Daher ging ich zunächst in die Beratung und habe Banken und Versicherungen zu Strategie- und Organisationsthemen beraten (bzw. Excels und Powerpoints erstellt). 

Mit 30 wollte ich dann einmal selber etwas starten. Meine beiden Eltern sind Unternehmer bzw. Selbstständig und daher war das auch irgendwie als Option immer gesetzt und im Sinne des “Regret Minimisation Frameworks” von Jeff Bezos (Link), musste ich da noch einmal ran und habe seitdem nicht mehr zurückgeschaut.

Ich bin froh, dass ich letztlich immer auf mein Bauchgefühl vertraut habe und die Dinge so angesprochen habe, wie ich sie gesehen habe, auch wenn das nicht immer populär war und mir durchaus Probleme beschert hat.

Nikolaus Sühr

3. Welche war die beste Entscheidung in Deiner Karriere?

Meiner Meinung nach kann man das so nicht sagen. In meinen Beobachtungen tut sich einfach nicht die eine große Entscheidung auf. Stattdessen geht es eher um generelle Entscheidungsprinzipien die sich dann aufsummieren. Was ist mir wichtig? Was nicht? Und wie hinterlege ich das mit dem was ich sage und tue. 

Ich bin froh, dass ich letztlich immer auf mein Bauchgefühl vertraut habe und die Dinge so angesprochen habe, wie ich sie gesehen habe, auch wenn das nicht immer populär war und mir durchaus Probleme beschert hat. 

So musste ich beispielsweise bei meinem ersten Job bereits nach ein paar Wochen zum geschäftsführenden Gesellschafter, weil ich einer alteingesessenen Mitarbeiterin klar meine Meinung gegeigt habe, als diese versuchte mir einen Ihrer Fehler unterzujubeln. 

Oder als ich im ersten Jahr meiner Beratungszeit mit meinem damaligen Projektmanager in Clinch geraten bin, da während ich bis 2-3 Uhr morgens jeden Abend schuftete, er sich ab 20.00 ins Hotel verzog, fleißig Akquise machte und das Projekt aus dem Ruder zu laufen drohte. Ich habe das eskaliert und musste dann nach nur ein paar Wochen im Job, einem Partner erklären, warum sein Senior Manager keinen guten Job machte.

Im Nachgang würde ich das alles viel weniger mit “Kopf durch die Wand” machen und auch viel stärker auf die Beziehungsebene und nicht nur auf die Sachebene schauen. Mir ist es aber wichtig herauszuarbeiten “was wahr ist” und nicht, was populär oder einfach ist

4. Was macht Dir an Deinem Job am meisten Spaß?

Mir machen sehr viele Dinge an meinem Job Spaß, aber am meisten liebe ich es gemeinsam mit unseren Kunden Themen zu entwickeln und diese umzusetzen – also etwas zu erschaffen und zu gestalten. Nicht nur der kreative Ansatz in der Sache, sondern auch zu verstehen, was meinen Gegenüber bewegt und eine Win-Win Situation zu schaffen, macht mir enorm viel Spaß.

Deshalb bin ich auch so froh in der Versicherungsbranche zu arbeiten. Es mag zwar mal etwas länger dauern, aber es ist letztlich ein Beziehungsgeschäft – man sieht sich immer zweimal und da macht es halt nur Sinn auf Win-Win, anstelle auf Win-Lose zu setzen.

5. Was tust Du, um Dich nach einem anstrengenden Tag zu belohnen?

Die meisten Menschen, die mich kennen, meinen dass ich recht extrovertiert bin. Das ist aber gar nicht der Fall. Ich stehe einfach total hinter dem, was ich tue und liebe es gemeinsame Weggefährten zu finden für Themen, die mich interessieren. 

Aber nach einem Tag der gerne mal 6-8h Videokonferenzen (meistens extern) umfasst, freue ich mich, meine kleine Tochter ins Bett zu bringen, mit meiner Frau Abend zu essen und einfach noch eine Stunde Netflix zu schauen.

6. Wie oft schaust Du täglich auf Dein Handy?

Keine Ahnung, aber recht häufig. Ich nutze es aber eigentlich ausschließlich, um Emails zu schreiben oder InsurTech News auf LinkedIn zu lesen.

7. Auf was könntest Du in Deinem Berufsalltag nie verzichten?

Mein Team, sowie natürlich Laptop, Strom und WLAN 🙂

8. Wenn Du drei Wünsche frei hättest: Welche wären es?

Von Natur aus bin ich ein recht normativer Mensch, was bedeutet, dass ich einen starken Drang habe, mein Umfeld nach meinen Wünschen und Vorstellungen zu gestalten. Hieraus kann man sehr viel kreative Energie schöpfen, aber natürlich auch sehr viel Frustration.

Daher nur einen Wunsch: Dass wir alle es irgendwie schaffen, mit dem zufrieden und glücklich zu werden, was das Leben so für uns bereithält. Dann natürlich noch Weltfrieden und den Dschinn frei lassen. Klar..

9. Was ist Dir wichtiger, Teamfit oder Erfahrung?

Ich finde das kann man so nicht pauschal sagen. Man möchte ja keinen netten Vollidioten, aber eben auch kein geniales Arschloch im Team haben. Generell würde ich aber eher auf die Einstellung als auf das Skillset schauen. 

Wir achten dabei insbesondere auf Neugierde, Arbeitseinsatz, Verantwortungsbewusstsein und Ehrlichkeit. Danach ist das dann auch learning by doing. 🙂

10. Was wird Dein nächstes Projekt?

Ich mag das Wort Projekt nicht so gerne, da dies ja irgendwie was mit Anfang und Ende zu tun hat. Ich denke da lieber in Versionen. In jedem Fall werde ich einen Großteil meiner Zeit in den kommenden Monaten auf Fundraising konzentrieren.  

Wir waren bisher eher konservativ unterwegs und haben keine größeren externen Investoren aufgenommen, da wir zunächst unsere Hausaufgaben bezüglich Go-To-Market, Product und Delivery machen wollten. Das haben wir jetzt getan und jetzt hole ich mir ein wenig Jetfuel, um unseren Marktvorsprung weiter auszubauen.

Vielen lieben Dank für das spannende Interview Nick! Hat uns sehr viel Spaß gemacht. 

Nikolaus Suehr KASKO

Über Nikolaus Sühr

Vor der Gründung von KASKO absolvierte Nikolaus sein Studium an der Cass Business School in Großbritannien und war in den Bereichen Business Development und Consulting in Versicherungsmanagement Unternehmen wie der Funk Gruppe, OCC und Zeb tätig. In seinen Funktionen war er für die Durchführung von Vertriebspartnerschaften, das Produkt- und Projektmanagement sowie für die Beratung bei Versicherungs- und Bankstrategieprojekten verantwortlich.

Nick wurde von EXECinsurtech zum besten InsurTech-Gründer 2019 und KASKO zum besten Scaleup ernannt. Seine LinkedIn-Community hat über 10.000 Follower und er ist Mitveranstalter von „Entscheider LIVE – Versicherungen im Wandel“, einer Live-Show für Versicherungsvertreter in der DACH-Region.