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Die wirtschaftliche Situation ist angespannt. Kunden zahlen erst mit großer Verspätung und ab Herbst droht eine Insolvenzwelle. Viele Mittelständler müssen mit Liquiditätsschwierigkeiten rechnen. Von den Banken ist in dieser Situation wenig Unterstützung zu erwarten, zumal sie selbst unter großem Druck stehen. Wir stellen darum im folgenden Artikel vier asset-basierte Finanzierungsalternativen vor, die mittelständischen Unternehmen helfen, einen Liquiditätsengpass zu vermeiden.

Es sind drastische Worte, die der Kreditversicherer verwendet: Euler Hermes warnt anlässlich der Vorstellung einer neuen Studie vor einer tickenden Zeitbombe, die spätestens im dritten Quartal des laufenden Jahres hochgehen wird. Gemeint ist eine Insolvenzwelle, die bis weit ins nächste Jahr hinein andauern wird. 

Weltweit werden die Unternehmensinsolvenzen gemäß Studie um 35 Prozent zunehmen, in Deutschland immerhin um 12 Prozent. Aufgrund der Insolvenzaussetzung bis zum 30. September werden wir die Spitze der Pleitewelle hierzulande erst im nächsten Jahr erreichen. Insgesamt erwartet Euler Hermes, dass bis Ende des Jahres 2021 40.500 deutsche Unternehmen Insolvenz anmelden müssen.

Insolvenzwelle ab Herbst

Durch die hohe Zahl an Firmenpleiten werden die Banken weltweit unter Druck geraten. Dies gilt auch für die deutschen Banken, die bereits in der vergleichsweise ruhigen Zeit der letzten Jahre
mit mangelnder Profitabilität zu kämpfen hatten.

Für kleine und mittlere Unternehmen heißt das: Es wird künftig schwieriger, günstige Bankkredite zu erhalten. Namentlich Firmen mit eingeschränkter Bonität müssen sich auf Kreditabsagen einstellen.

Unter den zunehmenden Insolvenzen wird auch das Zahlungsverhalten leiden. Schon jetzt ist es laut einer Untersuchung der Wirtschaftsauskunftei CRIF Bürgel um die Zahlungsmoral vieler Unternehmen nicht gut bestellt. Zwischen Januar und Juni erhöhte sich der durchschnittliche Zahlungsverzug im B2B-Bereich von 26,4 Tagen auf 34,4 Tage. Am größten sind die Probleme in der Kultur- und Freizeitbranche, in der sich die Dauer der Zahlungsverzögerungen seit Jahresbeginn nahezu verdoppelte.

Niklas Zolper

Niklas Zolper von Finanzierung.com 

Factoring: Schutzschild gegen schlechte Zahlungsmoral

Kumulieren sich hohe Zahlungsausstände und die Schwierigkeit, neue Kredite zu erhalten, entstehen bei kleinen und mittleren Unternehmen schnell existenzbedrohliche Liquiditätsengpässe. Doch soweit muss es nicht kommen. 

Mit der Finanzierungslösung Factoring gibt es eine Möglichkeit, sich gegen die schlechte Zahlungsmoral seiner Kunden abzusichern. Der Begriff “Factoring” bezeichnet den revolvierenden Verkauf offener Rechnungsforderungen an eine Finanzierungsgesellschaft, den sogenannten Factor. Der Forderungsverkauf verhilft einem mittelständischen Unternehmen zu einem regelmäßigen Cashflow. 

Der Factoringnehmer muss nicht wochen- oder monatelang auf Zahlungseingänge warten, zumal der Factor die ausstehenden Rechnungsbeträge im Normalfall innerhalb eines Arbeitstages überweist.

Vorteile des Factorings

  • Verschafft schnelle Liquidität
  • Schützt vor Zahlungsausfällen
  • Ist bonitätsunabhängig
  • Erfordert keine Sicherheiten

Sale-and-Lease-back: Finanzierung aus dem Anlagevermögen

Eine weitere Variante, wie krisengeplagte Unternehmen schnell zu frischer Liquidität kommen, ist der Verkauf von Vermögenswerten aus dem Anlagevermögen. Dies ist indes einfacher gesagt als getan. Denn Maschinen, Fahrzeuge oder Bürogebäude werden meist für das operative Geschäft benötigt und können nicht ohne empfindliche Produktivitätseinbußen veräußert werden. Ist dies der Fall, lohnt es sich, Sale-and-Lease-back in Erwägung zu ziehen. 

Sale-and-Lease-back (auf Deutsch: Rückmietverkauf) bedeutet, ein Anlagegut an eine Leasinggesellschaft zu verkaufen und es gegen Entrichtung einer monatlichen Rate für einen bestimmten Zeitraum zurückzuleasen. Nach Ablauf der Leasingdauer kann der Leasingnehmer den Gegenstand wiedererwerben.

Vorteile eines Sale-and-Lease-back

  • Setzt im Anlagevermögen gebundene Liquidität frei
  • Stärkt die Eigenkapitalquote
  • Ist bonitätsunabhängig
  • Erfordert keine Sicherheiten

Lagerfinanzierung: Warenlager als Kreditsicherheit

Bei Händlern und Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe ist die Liquidität nicht nur im Anlagevermögen, sondern auch in den Lagerbeständen gebunden. Leider sind Banken äußerst zurückhaltend, wenn es darum geht, Vorräte und Fertigprodukte als Kreditsicherheiten zu akzeptieren. Angesichts der düsteren Wirtschaftsaussichten dürfte sich ihre Zurückhaltung in den nächsten Monaten noch akzentuieren. 

Erfreulicherweise gibt es innovative Finanzierungsanbieter, die kleinen und mittleren Unternehmen helfen, in Warenlagern gebundene Liquidität sinnvoll zu nutzen.

Vorteile einer Lagerfinanzierung

  • Setzt die im Warenlager gebundene Liquidität frei
  • Kreditrahmen, der sich nach Bedarf ausschöpfen lässt
  • Flexible Anpassung des Kreditrahmens möglich

Finetrading: Finanzierung von Wareneinkäufen

Wie die eingangs erwähnte Studie von CRIF Bürgel zeigt, haben derzeit viele Unternehmen akute Zahlungsprobleme. Darunter leidet die Beziehung zu ihren Lieferanten. Durch die entgangenen Skonti und die aufgelaufenen Verzugszinsen entstehen den säumigen Zahlern darüber hinaus erhebliche Kosten, welche die ohnehin knappe Liquidität weiter belasten. 

Die Finanzierung der Wareneinkäufe durch Finetrading hilft, diese Belastung zu verringern. Der Finanzierer gewährt seinem Kunden ein verlängertes Zahlungsziel von 90 bis 120 Tagen. Gegenüber dem Lieferanten bezahlt er die bestellten Güter unmittelbar nach deren Auslieferung. Dadurch erhält er einen Preisnachlass, den er an seinen Kunden weitergibt.

Vorteile der Warenfinanzierung durch Finetrading

  • Verlängertes Zahlungsziel
  • Ausnutzung von Skonti und Rabatten
  • Ermöglicht flexible Reaktion auf Preisschwankungen

Mit asset-basierten Finanzierungslösungen Abhängigkeit von Hausbanken vermindern

Noch profitiert der Mittelstand von diversen staatlichen Stützungsmaßnahmen. Doch spätestens mit dem Auslaufen der Insolvenzaussetzung wird ein rauerer Wind wehen. Es ist damit zu rechnen, das zahlreiche Unternehmensinsolvenzen die Wirtschaft und das Bankensystem belasten werden. 

Für kleine und mittlere Unternehmen ist es umso wichtiger, sich bereits heute darauf vorzubereiten, dass es schwieriger wird, Kredite zu erhalten. Insbesondere gilt es, die eigene Finanzierungsstruktur zu hinterfragen und die Abhängigkeit von der Hausbank zu reduzieren. Die vorgestellten Finanzierungslösungen leisten einen wertvollen Beitrag dazu.